theHacker's Blog
– It's just a glitch in the Matrix –

Warum kehre ich Ubuntu den Rücken?

Ich werde mich demnächst von Ubuntu als Desktop-Betriebssystem trennen.

Willst du wissen, warum und auf was ich wechseln werde, lies einfach weiter. 😉

Vorgeschichte

Ich bin eigentlich schon lange ein großer Ubuntu-Fan. Und wenn ich sage "Ubuntu", mein ich die ganze Familie, nicht speziell Ubuntu.

Der GNOME-Desktop hat mich persönlich nie so richtig angesprochen. Stattdessen verwende ich Xubuntu (mit dem Xfce-Desktop) und Kubuntu (mit dem KDE-Desktop). Auch ein Lubuntu (mit LXDE-Desktop) hat mal kurzfristig den Weg auf mein Laptop gefunden.

Das Problem mit Ubuntu ist, dass mir Canonical, die Firma hinter Ubuntu, zunehmend Angst macht.

Erst war der Skandal, dass Daten an Amazon gesendet werden.

Wikipedia fasst zusammen:

Umstritten war auch die Shopping Lense innerhalb von Ubuntu. Auf die Kritik, dass das Amazon Partnerprogramm dem Datenschutz zuwiderlaufe, äußerte Mark Shuttleworth Unverständnis und warb um Vertrauen. Zunächst wurden Suchanfragen nicht mehr direkt an Amazon gesendet und später die Funktion vollständig entfernt.

Das zweite Problem ist Ubuntu's Trend zu seinen Snap-Paketen.

DerStandard.at schreibt dazu:

Canonical forciert zunehmend die Eigenentwicklung Snap, mit der man zumindest für größerer Anwendung das klassische "deb"-Format ablösen will.
[...]
Ubuntu preist Snap gerne als distributionsübergreifendes Paketformat an. Und tatsächlich sorgt man auch selbst dafür, dass Snaps auf einigen anderen Distributionen laufen. Deren Gegenliebe ist aber endenwollend, von sich aus unterstützt sonst praktisch niemand Snaps. Der Grund dafür: Snaps werden exklusiv über einen einzigen App Store ausgeliefert. Und dieser steht nicht nur unter Kontrolle von Canoncial, der Code dahinter ist proprietär – ein absolutes No-Go für viele Akteure in der Welt der freien Software.

Warum mich Ubuntu stört

Snap. Genau das ist auch mein Problem! Es ist schon länger her, mindestens 2-3 Jahre IIRC, als Ubuntu plötzlich den Chromium-Browser nicht mehr als normales Debian-Paket, sondern nur noch über Snap zur Verfügung gestellt hat.

Das Problem: Snap isoliert alle Prozesse in einer Sandbox. Grundsätzlich ein guter Gedanke, allerdings ist die Sandbox derart restriktiv, dass sie nicht mal den ordnungsgemäßen Zugriff auf das Dateisystem zulässt.

Snap blockiert Verzeichnisse

Das äußert sich bei Up- und Downloads im Browser, dass der Dateiauswahl-Dialog ersetzt ist. Statt Kubuntus normalem Auswahldialog, wo ich mir links alle Laufwerke mit schönem "Wie viel is noch frei?"-Balken und rechts Dateivorschau einblenden kann, bekomme ich im ge-sandbox-ten Chromium nur den hässlichen unproduktiven GNOME-Dialog angezeigt, der das alles nicht kann.

Und viel schlimmer: Statt meinem persönlichen Home-Verzeichnis bekomm ich ein leeres Verzeichnis angezeigt. Klickt man sich manuell rum, sieht man dass das Fake-Home-Verzeichnis innerhalb des echten Home-Verzeichnisses als Unterordner liegt.

Das selbe auch mit dem Temp-Verzeichnis (/tmp), was nicht der Realität entspricht, sondern leer ist. Im Gegensatz zum Home-Verzeichnis gibt es hier aber keinen Weg. Man kommt überhaupt nicht an das echte Verzeichnis.

Ich verwende das Temp-Verzeichnis sehr häufig für Downloads und Bilder, die ich nur kurzfristig brauche, z. B. Screenshots. So mülle ich mir die Festplatte nicht zu.

Die Sandbox blockiert die Verzeichnisse aber komplett. Ich kann nicht nur Dateien nicht auswählen, auch Drag&Drop-Operationen scheitern im Browser. Der häufige Use-Case, bei einem Bug einen Screenshot zu machen, ihn temporär unter /tmp abzuspeichern und dann per Drag&Drop im GitLab als Issue einzustellen… funktioniert nicht! 😡

Drag&Drop-Dateiupload in ein GitLab-Issue: Chromium (mit Snap) scheitert "Server responded with 0 code.", Chromium (ohne Snap) funktioniert

Ich muss aufwändig die Datei in ein "erlaubtes" Verzeichnis schieben, von dort hochladen und dann im "erlaubten" Verzeichnis die Datei suchen und wieder löschen. Das kostet Zeit und nervt einfach nur!

Für diesen Workflow habe ich seit einiger Zeit Maßnahmen ergriffen, den Chromium-Browser normal ohne die Sandbox starten zu können. Das verwende ich, wenn ich mit meinem GitLab arbeiten will.

Snap verhindert, dass der Browser geöffnet werden kann

Ich verwende die JetBrains Toolbox um meine IDEs zu starten. Auch – als großer JetBrains-Fanboy 😄 – benutze ich immer die neuesten EAP-Versionen. Die Toolbox zeigt Links zu behobenen Issues und Release-Notes direkt an. Nur einen Klick entfernt… eigentlich.

Seit Chromium als Snap-Paket läuft, funktionieren diese Links nicht mehr. Meine Vermutung geht auch Richtung /tmp-Verzeichnis, da die Toolbox dort einen Mountpoint anlegt.

Die JetBrains-Jungs haben das Problem erst kürzlich von ihrer Seite aus behoben.

Aus den Release-Notes von Version 1.25:

On some Linux systems, the Toolbox App was failing to open the web browser. This has now been fixed.

Linux Mint to the rescue

Meiner Mutter habe ich neulich schon Linux Mint installiert, weil mich die Distribution angesprochen hat. Sie ist einsteigerfreundlich, sieht gut aus und auch bei der Einrichtung und was ich mich sonst so durchgeklickt hatte, hat mir Linux Mint einen guten Eindruck gemacht.

Damals hatte ich die Version 20 installiert. Für mich selber wollte ich warten, bis die nächste Version released war, weil diese dann eine LTS-Version ist. Den ganzen Sommer habe ich immer mal wieder geguckt, wie weit Linux Mint 21 ist.

Jetzt, Anfang August, wurde die Version fertig! 😃 Ich werde demnächst auf diese Version wechseln. Erstmal nur das Laptop, damit ich gucken kann, ob alles läuft, was ich so tagtäglich brauche. Danach kann ich für den Desktop in einer Live-Version booten und schlussendlich dann final installieren.

Wie üblich, wenns die Zeit und Motivation zulässt 😁, werd ich einen weiteren Artikel darüber schreiben, wenns soweit is…


Wie sind eure Erfahrungen? Nutzt ihr Ubuntu oder Linux Mint?
Hinterlasst gerne einen Kommentar.

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